Im Online-Shop WattGeizer.com biete ich derzeit 5 unterschiedliche Kurbelradios – oder auch Dynamoradios – an. Es liegt auf der Hand, dass ein Produktvergleich über die einzelnen Artikelseiten sehr mühsam und zeitintensiv ist. Daher habe ich diese Kurbelradios einmal einem Test unterzogen und möchte meine Eindrücke hier schildern. Wer sich bis zum Ende durchgelesen hat, wird mit einer übersichtlichen Tabelle belohnt, in der die Kurbelradios miteinander verglichen werden.

Fangen wir an mit dem günstigsten Gerät: Es ist das HQ TORCH-EMC 01. Als erstes fällt auf, dass das Gerät im Plastik-Design daher kommt. Das Gehäuse ist, genau wie alle Schieber und Drehräder, aus glattem Plastik. Wäre es nicht in schwarz/weiß gehalten, würde man vermutlich von Retro sprechen, so bleibt aber ein etwas nüchterner Eindruck. Dieser wird beim Einschalten des Gerätes verstärkt, wenn man merkt, dass der Akku fast leer ist. Es macht keinen guten Eindruck, dass der Hersteller die Geräte mit einem annährend leeren Akku ausliefert.

Um ein wenig Zeit zu sparen, habe ich das Gerät mit der integrierten 5V-Buchse aufgeladen (Ökostrom – versteht sich). Beim Einstellen des Senders fällt auf, dass sich die Sender relativ schwer einstellen lassen. Ist aber ein Sender gefunden, kann man über den Klang nicht meckern. Als einziges Radio verfügt es über zwei integrierte LED-Leuchten. Eine ist an der Stirnseite als Taschenlampe angebracht, die andere ziert die obere Gehäuseseite. Letztere ist sehr gut als Raumleuchte geeignet und reicht z.B. für die Ausleuchtung eines Zeltes aus.

Die Kurbel ist – wie bei allen angebotenen Radios – sehr leicht zu bedienen. Die Größe des internen Akkus lässt sich leider nicht bestimmen und dieser ist auch nicht auswechselbar. Jedoch kann man die Laufzeit des Radios dadurch erhöhen, indem man 3 zusätzliche Batterien oder Akkus in das Radio legt. Diese lassen sich zwar nicht über die Kurbel laden, geben aber die Energie an Radio, LED oder Handy ab. Handy? Ja, zusammen mit dem Radio werden 5 Adapter geliefert (u.a. Nokia 3,5mm und Mini-USB), mit denen sich Handys und mobile Geräte laden lassen.

Fazit: Erweitert um 3 zusätzliche Akkus ist das Radio bestens für einen Wochenendtrip zum Zelten geeignet. Die Handy-Ladefunktion und eine ordentliche Raumleuchte machen es zum idealen Begleiter für kurze Touren. Als klassisches Kurbelradio ist es nicht zu empfehlen.

Das nächste Gerät, das infactory SOL-1510, wird in Deutschland von der Fa. Pearl vertrieben (nicht gucken, kostet dort mehr :-)) und ist baugleich zum POWERplus Linx (kostet knapp doppelt so viel). Das Gerät ist mir ans Herz gewachsen. Warum? Weil es für einen günstigen Preis eine gute Leistung gibt. Das Radio kommt mit Features, wie einer digitalen Anzeige für die Uhrzeit und den Radioalarm, einer integrierten LED-Taschenlampe und einer Handy-Ladefunktion (Nokia 3,5mm). Gegenüber dem HQ-Gerät unterscheidet es sich vor allem darin, dass es sich auch per Solar-Energie aufladen lässt. Wenn man einmal mehrere Minuten lang die Kurbel eines Radios betätigt hat, weiß man diesen Vorteil durchaus zu schätzen. 😉

Als maximale Ausgangsleistung gibt Pearl 5 Watt an. Obwohl es sich um eines der lautesten Radios im Test handelt, kann das nicht stimmen, denn die Leistungsaufnahme wäre für ein Kurbelradio viel zu hoch. Der Klang ist ganz passabel. Das Gerät wird mit einem austauschbaren 300mAh-Akkupack geliefert und ist damit zukunftssicher.

Als günstigere, baugleiche, Alternative habe ich das Duronic APEX im Shop aufgenommen. Wem also die Farbe egal ist, kann hier günstiger zugreifen.

Fazit: Robustes Gerät mit den wesentlichen Funktionen und einem sehr guten Preis-/Leistungsverhältnis. Auf das Kurbeln kann man verzichten, wenn die Sonne scheint. Einziges Gerät im Test mit Uhrzeit und Radio-Alarm.

Beim dritten Gerät handelt es sich um das Duronic Hybrid. Dieses Kurbelradio setze ich jeden Morgen selbst ein, wenn ich im Pferdestall Radio höre. Das Duronic Hybrid ist ein richtiger „Krachmacher“ und bringt für seine Größe eine überdimensionierte Lautstärke. Leider macht sich das bei maximaler Lautstärke durch einen leicht dröhnenden Klang bemerkbar. Ansonsten hat das Duronic Hybrid den üblichen Kofferradio-Sound.

Das Duronic Hybrid hat ein gummiertes Gehäuse und ist sehr kompakt und leicht. Leider ist keine zusätzliche LED eingebaut und so konzentriert es sich auf das, was es kann: Radiospielen. In der gesamten Zeit habe ich es noch nicht ein Mal per Kurbel aufladen müssen, weil es über die eingebauten Solarzellen ausreichend Energie bezieht. Für Hardcore-User ist eine Mini-USB-Schnittstelle eingebaut, über die sich das Radio aufladen lässt.

Fazit: Kleines, leichtes und solides Solarradio, das auch eine Kurbel hat. Das leichteste und lauteste Radio im Test.

Das freeplay Companion ist vermutlich eines der am meisten verkauften Kurbelradios. Zu seinen Vorteilen zählen sein kompaktes (kleinstes Gerät im Test) und robustes Design, eine integrierte Taschenlampe, die Solar-Ladefunktion und die Möglichkeit, USB-Geräte aufzuladen. Das austauschbare Akkupack mit 350 mAh lässt sich sowohl über die Kurbel, als auch über Solar und die integrierte USB-Schnittstelle aufladen. Die Energieumsetzung ist noch besser als beim Duronic Hybrid: So reicht eine Stunde Solaraufladung für eine Stunde Radio. Eine Kundin rief ganz entsetzt bei mir an, weil sie nicht glauben wollte, dass das Companion mit Akkus läuft. Sie war über die lange Laufzeit so überrascht, dass sie das Companion auseinandergeschraubt hat, um nachzusehen ob es mit Batterien bestückt ist.

Bei voller Sonneneinstrahlung ist der integrierte Akku innerhalb von ca. 11-12 Stunden aufgeladen. Mit einem vollen Akku leuchtet die integrierte LED-Taschenlampe ganze 16 Stunden lang. Der Klang ist ordentlich, wenn auch nicht besonders laut.

Fazit: ein hochwertiges, energieeffizientes Kurbelradio. Zukunftssicher durch austauschbaren Akkupack. Für Camper mit Stil, die noch bis in die Nacht lesen möchten.

Das Beste zum Schluss? Ja – wenn man ein Radio für den Garten oder die Küche möchte, sollte man zum freeplay Eye Max greifen. Wer das Radio auf eine Trekking-Tour oder zum Zelten mitnimmt, wäre sicher falsch bedient. Mit 700 Gramm ist das Kurbelradio drei Mal so schwer wie seine Sparringspartner. Dafür gibt es einen guten Klang, der von der Lautstärke jedoch nicht mit dem SOL-1510, der Duronic Apex oder Duronic Hybrid mithalten kann.

In Sachen Energieeffizienz macht dem Eye Max kein anderes Gerät etwas vor: Eine Stunde Sonnenbetankung reicht aus für zwei Stunden, eine Minute Kurbeln für eine Stunde Radiohören. Eine integrierte LED mit einer 5mm LED kann als Taschenlampe verwendet werden. Sollte Sonne oder Muskelkraft nicht ausreichen, kann auch der freeplay Eye Max über die Mini-USB-Buchse geladen werden.

Fazit: Tolles Gerät für den Hausgebrauch. Aufgrund des Gewichtes und der Größe nicht für Trekking und Outdoor-Trips geeignet. Feinster Klang unter den Kurbelradios. Erhält über Solar genug Energie, so dass sich das Kurbeln i.d.R. erübrigt. Zukunftssicher, da der Akkupack austauschbar ist. Insofern verstehe ich nicht, warum das Radio nicht mehr hergestellt wird.

Zusammenfassung

Während sich die 5 Kurbelradios im Klang nur unwesentlich voneinander unterscheiden, ergeben sich beim Funktionsumfang deutliche Unterschiede. Mit LED-Taschenlampe, Nokia-Ladefunktion, Uhr und Wecker bringt die meisten Fuktionen das SOL-1510/Apex mit. Zusammen mit dem Duronic Hybrid macht es am meisten Lärm, ist dabei noch kompakt und günstig. Wenn es also einen Testsieger geben sollte, hätte das SOL-1510/Apex den Sieg sicher verdient.

Am anderen Ende der Skala liegt das HQ TORCH-EMC 01. Hierbei handelt es sich um ein klassisches Kofferradio, welches durch eine Kurbelfunktion erweitert wurde. Diese ist für Notfälle ganz nützlich – mehr aber nicht. Gefallen haben mir die integrierten unterschiedlichen Leuchten und die Möglichkeit, Handys zu laden. Aber auch hier kommt man ohne zusätzliche Akkus nicht aus. Für mich ist es kein klassisches Kurbelradio und daher wird es nach Abverkauf des Lagerbestandes wieder ausgelistet.

Die anderen Radios kann man alle getrost und je nach Zweck einsetzen: Companion (wenn man Licht braucht) für Touren und Camping, das freeplay Eye Max (wird nicht mehr hergestellt) für zu Hause oder den Garten.